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Grüne Anleihen: von der Evolution zur Revolution

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© ThickStock.com/Getty Images
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Die erste, von der Weltbank vor 10 Jahren emittierte „grüne Anleihe“ wurde zur Vorlage für den mit mehr als 500 Mrd. US-Dollar bewerteten Öko-Wertpapiermarkt von Heute. In diesem Artikel wird betrachtet, wie sog. Green Bonds das Anleger- und Emittentenverhalten verändert haben und die gleichen Modelle angewandt werden können, um die Sustainable Development Goals (Ziele für eine nachhaltige Entwicklung) zu erfüllen.

Die Kapitalmärkte haben sich in den letzten zehn Jahren weiter entwickelt: von einem Markt, auf dem Anleger nur wenig darüber wussten (und wissen wollten), was durch ihre Investitionen unterstützt wird, hin zu einem, auf dem der Zweck wichtiger ist denn je. Diese Revolution auf dem Wertpapiermarkt wurde durch sog. „grüne Anleihen“ oder Green Bonds ausgelöst.

Der Markt für Green Bonds hat sich von einem Markt, der durch Emittenten wie die Weltbank dominiert wurde, einer internationalen Organisation im Eigentum von 189 Ländern mit dem Ziel, extreme Armut zu beseitigen und gemeinsamen Wohlstand zu fördern, zu einem Markt mit vielen verschiedenen Emittenten entwickelt, die Privatunternehmen und Banken bis hin zu Versorgern und Staatsregierungen umfassen. Das einfache Konzept der Green Bonds wurde auf andere besonders bezeichnete Anleihen wie soziale Wertpapier und blaue Wertpapiere (Social Bonds bzw. Blue Bonds) ausgeweitet. 

Letzten Monat emittierten die Seychellen, ein Archipel von 115 Ländern, das für seine schönen Strände und Korallenriffe bekannt ist, die ersten Blue Bonds ihrer Art, um nachhaltige Meeres- und Fischereiprojekte zu unterstützen. Die Seychellen brachten bei Anlegern wie Calvert Impact Capital, Nuveen und Prudential 15 Mio. US-Dollar auf und werden später genau darüber Bericht erstatten, wie die Mittel eingesetzt wurden, um positive Auswirkungen zu erzielen.

Diese Anleihe ist nur die jüngste in einer Reihe von Innovationen auf dem Markt für festverzinsliche Anleihen, die auf den Kapitalmärkten Mittel speziell für genau definierte gesellschaftliche Zwecke aufbringen. Dabei sprechen die Emittenten Anleger mithilfe des Zwecks an und bieten mehr Transparenz bei der Finanzierung. Produkte dieser Art ermöglichen Emittenten und Anlegern, standardisierte Kreditprodukte zu nutzen, die Investitionen im angemessenen Umfang unterstützen, während gleichzeitig Anlagen mit ihrem sozialen Zweck verknüpft werden.

Schätzungen zum Umfang dieses zweckbezogenen Wertpapiermarkts variieren stark, je nachdem, wie eng der Markt definiert wird. Wenn nur der Markt für zweckbezogen bezeichnete Anleihen betrachtet wird, beläuft sich das Volumen in den letzten zehn Jahren auf mehr als 500 Mrd. US-Dollar. Wenn die Emittenten berücksichtigt werden (selbst wenn nur Stadtverwaltungen und Entwicklungsbanken einbezogen werden), die durch die Wertpapiermärkte finanzierte soziale Projekte unterstützen, steigt diese Zahl schnell auf mehrere Billionen US-Dollar pro Jahr an. 

Das Interesse der Anleger an dem sozialen und ökologischen Zweck ihrer Investitionen spiegelt eine fundamentale Verlagerung auf dem Wertpapiermarkt wider. Anleger fordern Daten, die nicht nur zeigen, wie sie die ökologischen, sozialen und Governance-Risiken in ihren Portfolios reduzieren können, sondern auch, wie ihre Investitionen gesellschaftliche Beiträge leisten. Sie wissen um ihre Macht bei der Unterstützung von Initiativen, die Beteiligten am Herzen liegen, und ihre Fähigkeit, positive Ziele zu unterstützen, ohne Abstriche bei den Renditen zu machen. Die Emittenten reagieren entsprechend auf diese Entwicklung. Sie versuchen, Anlegern zu zeigen, wie ihre Anleihen Gelegenheiten für sowohl finanzielle als auch gesellschaftliche Gewinne bieten.

Vor zehn Jahren war eine Gruppe von schwedischen Pensionsfonds, die sich Sorgen um das signifikante Risiko des Klimawandels für ihre Portfolios machten, mithilfe der Skandinaviska Enskila Banken (SEB) auf der Suche nach Möglichkeiten zur Unterstützung klimafreundlicher Lösungen. Sie wünschten sich qualitativ hochwertige, liquide Produkte, die nicht mit einem zusätzlichen Projektrisiko verbunden sein sollten. Und sie wollten Informationen über die tatsächlichen positiven Auswirkungen ihrer Anlagen. Sie wandten sich an die Weltbank. Gemeinsam entwickelten wir ein neues Produkt. Die grüne Anleihe war geboren.

Diese 2008 von der Weltbank emittierte Anleihe schuf die Blaupause für den Green Bond-Markt von Heute. Dabei wurden die Kriterien für Projekte definiert, die für die Unterstützung durch grüne Anleihen in Frage kamen. Das renommierte Klimaforschungsinstitut CICERO wurde hinzugezogen, um eine zweite Meinung bereit zu stellen. Berichterstattung über die Auswirkungen wurde als integraler Bestandteil in den Prozess integriert, um die Bedeutung der Transparenz zu unterstreichen.

Die erste grüne Anleihe der Weltbank erhielt starke Unterstützung durch den Markt. Bei Anderen wie z. B. politischen Entscheidungsträgern, Ceres und der Climate Bonds Initiative weckte sie ebenfalls großes Interesse. Sie stärkte das Bewusstsein für die Herausforderungen des Klimawandels und zeigte institutionellen Anlegern das Potenzial der Unterstützung klimaintelligenter Investitionen mithilfe liquider Instrumente auf, ohne dabei auf finanzielle Renditen zu verzichten. Sie bildete die Grundlage für die von der ICMA (International Capital Markets Association) koordinierten Green Bond-Prinzipien. Außerdem hob sie den gesellschaftlichen Wert von festverzinslichen Anleihen und die Notwendigkeit eines schärferen Fokus auf die Transparenz hervor. Seit der ersten Green Bond-Emission im Jahr 2008 veröffentlichen Anleger ihre Namen und lassen sich zitieren, wenn sie grüne oder andere besonders bezeichnete Anleihen kaufen. 

Seitdem brachte die Weltbank mit mehr als 150 Green Bonds in 20 Währungen für institutionelle und Kleinanleger weltweit ca. 13 Mrd. US-Dollar auf. Zu den anderen Emittenten grüner Anleihen zählen jetzt Unternehmen und Banken jeder Größe sowie mehrere Länder. Alle Emittenten messen, verfolgen und melden die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen ihrer Investitionen. Fannie Mae ist nach Volumen in einem einzigen Jahr der größte Emittent von Green Bonds. Fidschi emittierte im vergangenen Jahr die erste grüne Anleihe eines Schwellenlandes. Jede Bank, die an internationalen Kapitalmärkten aktiv ist, beschäftigt Mitarbeiter, die sich der Finanzierung durch grüne oder nachhaltige Anleihen verschreiben. Kriterien grüner Anleihen werden in die Kreditvergabe integriert. Es gibt eine ganze Branche von Prüfern und Sachverständigen, darunter Ratingagenturen und Andere, die Anlegern Informationen bereitstellen und Emittenten unterstützen. Das Green Bond-Konzept wurde auch auf andere Bezeichnungen ausweitet: sozial, nachhaltig, blau usw.

Green Bonds haben die Denkweise in puncto Nachhaltigkeit, Zweck und Potenzial liquider Anleiheninvestitionen mit dem Ziel positiver Auswirkungen revolutioniert. Wenn festverzinsliche Instrumente die Finanzierung von Klimalösungen unterstützen können, ist dies auch für andere gesellschaftliche Zwecke möglich. Der Green Bond-Prozess mit seinem Modell der Projektauswahl, von Sachverständigen für eine zweite Meinung und Auswirkungsmeldung wird bereits auf andere Bereiche angewendet. Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind eine Aufstellung von 17 globalen Zielen, die 2015 von 193 Ländern vereinbart wurden und von der Bildung über die Gesundheit bis hin zu nachhaltigen Städten reichen. Sie stellen ein nützliches Rahmenwerk dar, mit deren Hilfe Anleger und Emittenten auch auf andere Bereiche als nur das Klima fokussieren können. Die Weltbank hat damit begonnen, Anleger mithilfe einer Reihe von Anleihen zu spezifischen SDGs anzusprechen, um durch ihre Anleihen für eine nachhaltige Entwicklung Bewusstsein für bestimmte Entwicklungsherausforderungen zu schaffen. Andere folgen.

Die Herausforderung besteht jetzt darin, sicher zu stellen, dass wir diese Revolution und das damit verbundene Moment voll nutzen, um die SDGs umzusetzen. In der Zukunft werden Anleger bei jeder Investition fragen: „Wie wirkt sich das positiv auf die Gesellschaft aus?“. Und sie werden als Antwort solide Auswirkungsdaten erwarten. Es gibt noch viel zu tun. Den Handlungsbedarf und die Wirkung von Investitionen, Kooperation, Technologie und Innovation zu erkennen, bringt uns schon ein gutes Stück weiter.

Heike Reichelt ist bei der Weltbank für Investor Relations und neue Produkte zuständig.  

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